Neue EMV-Norm

Im Baudisch EMV-Labor beraten wir Kunden über die Anwendung von aktuellen Normen und gesetzlichen Vorgaben und führen entsprechende EMV-Prüfungen durch.

Eine Änderung der Norm DIN EN IEC 55015 (VDE0875-15-1):2020-07 fand im Juli 2020 statt. Im Folgenden wird die neue EMV-Norm vorgestellt und anhand eines Fallbeispiels aus unserem EMV-Labor veranschaulicht.

EMV-Norm EN 55015:
Aktuelle & bisherige Version

Aktuelle Version Bisherige Version
DIN EN IEC 55015 (VDE0875-15-1):2020-07 DIN EN IEC 55015 (VDE0875-15-1):2016-04 und Berechtigung 1 von 2015-09

Grenzwerte und Messverfahren für Funkstörungen von elektrischen Beleuchtungseinrichtungen und ähnlichen Elektrogeräten (CISPR15: 18+ISH1:2019)

 

Grenzwerte und Messverfahren für Funkstörungen von elektrischen Beleuchtungseinrichtungen und ähnlichen Elektrogeräten (CISPR15: 2013+IS1:2013 +A1:2015)
Deutsche Fassung EN IEC 55015:2019+A11:2020 Deutsche Fassung EN 55015:2013+A1:2015
Es besteht eine Übergangsfrist bis zum 27. November 2022. Ab diesem Zeitpunkt müssen betroffene Produkte der neuen Norm DIN EN IEC 55015 (VDE0875-15-1):2020-07 entsprechen.

 

Anwendungsbereiche der EMV-Norm EN 55015

Die EMV-Norm gilt für die Aussendung (abgestrahlt und leitungsgeführt) hochfrequenter
Störgrößen von:

  • Beleuchtungseinrichtungen (= Einrichtungen, die als unabhängige Einheit verwendet werden können, um eine Szene, Gegenstände oder ihre Umgebung zu beleuchten, damit sie gesehen werden können.)
  • Beleuchtungseinrichtungen von Multifunktionsgeräten, bei denen eine der Hauptaufgaben die Beleuchtung ist. Beispiele sind Beleuchtungseinrichtungen, die mit Hilfe von sichtbarem Licht kommunizieren und Beleuchtungen für Unterhaltungszwecke
  • Ultraviolett- und Infrarotgeräte für häusliche und nicht-industrielle Anwendungen
  • Reklameleuchten, Werbetafeln u.Ä., z. B. Leuchtröhrenanlagen
  • Beleuchtungseinrichtungen für Dekorationszwecke (Dekorationsbeleuchtungen)
  • Notleuchten


Kontakt:

Josip Horvat
Leitung EMV-Labor

E: josip.horvat@baudisch.de
T: +49 7172 926 13-33

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Entwicklungsingenieur meldet sich mit seinem Produkt, einer LED-Leuchte, in unserem EMV-Labor. Neben weiteren Normen trifft für dieses Produkt für die Störaussendung die erneuerte Norm EN 55015 zu. Folgende Eigenschaften teilt uns der Entwicklungsingenieur über den EMV-Fragebogen mit:

  • Farbwechsel und Helligkeitseinstellungen sind möglich
  • die Lampe enthält einen Datenanschluss, der zu einer internen Kommunikationseinheit geführt und angeschlossen wird
  • die ganze Elektronik ist in einem Gehäuse verbaut und hat zwei Anschlussstecker
  • Kommunikationsanschluss (beide Leitungen sind länger als 30 m)
  • 230 VAC (internes Weitbereichsnetzteil 100 VAC – 240 VAC mit 50 Hz bzw. 60 Hz) mit PE Anschluss
  • die angeschlossenen Leitungen sind ungeschirmt
  • die maximale Leistung beträgt 100 W

Prüfanleitung

Die Eigenschaften des Prüflings gleichen wir mit der Norm ab und erstellen eine entsprechende Prüfanleitung:

  • Betriebs- und Messbedingungen des Prüflings
    Die Störgrößen, die durch das manuelle oder automatische Schalten verursacht werden, sind nicht zu beachten.
    Die Betriebsspannung muss während der Prüfung innerhalb von ± 2 % liegen, in unserem Fall 230 VAC.
    Eine Prüfung mit 50 Hz ist ausreichend – die Störaussendungen bei der anderen Netzfrequenz gelten durch diese Messung als abgedeckt.
  • Nenn-Lampenlast und Lichtsteuerung
    Da beim Prüfling die Helligkeit verändert werden kann, muss die Störaussendung bei der höchsten und niedrigsten Lichtleistung gemessen werden.
  • Betriebsarten
    Da der Prüfling mit verschiedenen Farbbetriebsarten verwendet werden kann, müssen die Messungen im ungünstigsten Fall durchgeführt werden. Der ungünstigste Fall muss durch einen vorausgehenden orientierenden Suchlauf in jeder Betriebsart über mindestens einen Betriebszyklus der jeweiligen Betriebsart ermittelt werden.
  • Umgebungsbedingungen
    Die Prüfungen müssen im Labor unter den üblichen Umgebungstemperaturen im Bereich von 15°C bis 30°C stattfinden oder, wenn der Bereich stärker eingeschränkt ist, innerhalb des vom Hersteller im Bedienungshandbuch angegebenen Bereichs.
  • Lampen
    Die Beleuchtungseinrichtung muss mit allen Lampen gleichzeitig betrieben werden.
  • Alterungszeit
    Bei LED-Technologien ist aus EMV Sicht keine Alterung erforderlich (das heißt, die Lampe muss nicht vorher in Betrieb sein).
  • Stabilisierungszeit
    Vor Beginn der Messung muss der Prüfling so lange in Betrieb sein, bis sich der Lichtstrom stabilisiert hat – sofern vom Hersteller nichts anderes festgelegt ist, 15 min.
  • Schnittstellen, die nicht für eine dauerhafte Signal- oder Datenübertragung vorgesehen sind
    Da die Datenübertragung für die Aufrechterhaltung des Status des Prüflings nicht erforderlich ist, braucht die Signalübertragung während der Messungen nicht durchgeführt werden.

EMV-Prüfungen

Gemeinsam mit dem Entwicklungsingenieur führen wir folgende Messungen in unserem EMV-Labor durch, um den Prüfling auf die neue EMV-Norm zu testen:

  • Die Prüfungen werden mit minimaler und maximaler Helligkeit (Farbe Weiß) sowie mit allen Farben durchgeführt. Insgesamt müssen 3 Messungen durchgeführt werden
  • Störspannungsmessung am 230 VAC Versorgungsanschluss im Bereich von 9 kHz – 30 MHz über eine Netznachbildung
  • Störspannungsmessung an den Datenanschlüssen (lokale Leitungsanschlüsse) über eine Netznachbildung oder einen Tastkopf im Bereich von 150 kHz – 30 MHz
  • Zeitbedarf ca. 1,5 h für die leitungsgebundenen Messungen
  • Störfeldstärke im Vollabsorberraum im Bereich von 30 MHz – 1 GHz
  • Zeitbedarf ca. 4,5 h für die gestrahlten Messungen

Folgende Messungen müssen nicht durchgeführt werden:

  • Abgestrahlte Störaussendung im Frequenzbereich 9 kHz – 30 MHz
    Begründung: Die Prüfungen müssen dann stattfinden, wenn der Prüfling aufgrund seiner Konstruktion oder Topologie in der Lage ist, große magnetische Dipolmomente zu erzeugen. Ein großes magnetisches Dipolmoment entsteht, wenn ein beträchtlicher Störstrom in einer Schleife mit großer Oberfläche fließt. Gleichstromgespeiste LED-Quellen mit einem magnetischen Vorschaltgerät stellen eine Einrichtung dar, die einen kleinen magnetischen Dipolmoment haben.

Weitere Prüfungen der Richtlinien zur CE-Kennzeichnung werden ebenfalls im Baudisch EMV-Labor durchgeführt. Mit dem Bestehen dieser EMV-Tests hat der Entwicklungsingenieur die Bestätigung, dass sein Produkt allen aktuellen Normen entspricht.

Ist Ihr Produkt von der Erneuerung der EMV-Norm EN 55015 betroffen? Wir prüfen Ihr Gerät auf die Erfüllung der neuen Norm und definieren bei Bedarf Maßnahmen zur Entstörung.

Kontakt:

Josip Horvat
Leitung EMV-Labor
Telefon: +49 (7172) 926 13-33
E-Mail: josip.horvat@baudisch.de

Carsten Hampel
EMV-Experte
Telefon: +49 (7172) 926 13-34
E-Mail: carsten.hampel@baudisch.de